Unsere Werte – Karate Dojo Taisei

Die Werte des Dojo Taisei Düsseldorf

Das Dojo Taisei hat für sich 15 Handlungsprinzipien formuliert und auf dieser Seite "Unsere Werte" dargestellt.

„Friedvolles Leben“ bedeuten die Schriftzeichen des Dojo Taisei.

Das folgende Leitbild unserer Werte wurde von Mitgliedern des Dojos Taisei Düsseldorf formuliert. Ihr Geltungsbereich bezieht sich nur auf das Dojo Taisei Düsseldorf. Über Kommentare freuen wir uns sehr. Bitte berücksichtigt, dass wir Zitationen unseres Leitbildes oder Auszügen aus diesem nur nach vorheriger schriftlicher Anfrage zustimmen können: E-Mail schreiben. Wir freuen uns sehr über Anfragen und einem regen Austausch.

Das Ziel des Dojo Taisei Düsseldorf

Unser Dojo hat das Ziel, Menschen in allen Lebenslagen dazu zu befähigen und zu ermutigen, entstehende Herausforderung nachhaltig zu meistern und ein selbstbestimmtes, aktives und prosoziales Leben zu führen. Sie sollen sich als progressive Akteure in unsere Gesellschaft einbringen, um dadurch ein „friedvolles Leben“ (Taisei, Jap. 泰生) für sich und andere zu ermöglichen.

Karate verstehen wir als Mittel und nicht als Zweck, um diese Ziele zu erreichen. Dabei umfasst der Karate-Begriff für uns sowohl die körperliche Technik als auch die Philosophie und Geisteshaltung. Unser Karate dient damit der Kultivierung von Körper und Geist. Seine Vermittlung und Anwendung richtet sich an ethischen Standards aus, die für jeden Karateka des Dojo Taisei handlungsleitend seien müssen.

Mit diesem Anspruch einher geht ein erweitertes Verständnis der Funktion unseres Dojos. Es bildet den physischen und ideellen Ort für die Gemeinschaft unserer Karateka. Einerseits üben wir hier Karate-Techniken zur Selbstverteidigung. Andererseits geht es um das Erlernen konkreter Handlungsweisen und ethischer Einstellungen wie etwa Hilfsbereitschaft, Gemeinschaftssinn, Gerechtigkeit, kritisches Denken, Leistungsbereitschaft und Mut. Im offenen Diskurs legen wir fest, wie wir diese Werte am besten realisieren können.

Als Ort der Gemeinschaft bietet es auch Kameradschaft und Solidarität. Alle Karateka sind aufgerufen, sich wechselseitig bei der Verwirklichung eines gelingenden Lebens im Sinne des Dojo Taisei zu unterstützen. Gleichzeitig fördern sie durch ihr Handeln die ideellen Ziele des Dojos.

Konkret sind es 15 ethische Prinzipien, an denen sich das Dojo und die einzelnen Mitglieder in ihrem Handeln und Denken ausrichten sollen. Diese Prinzipien leiten sich zum Teil aus dem Niju kun (二十訓), den 20 Grundsätzen des Karate Do ab, die der Begründer des japanischen Karate, Gichin Funakoshi, in den 1920er Jahren formuliert hatte.

Die 15 ethischen Prinzipien des Dojo Taisei im Überblick

Welche 15 ethischen Prinzipien vermitteln wir? Und woran richten wir unser Handeln aus? Folgend listen wir die Prinzipien auf und fassen danach ihre Bedeutung in einer simplifizierten Form für den täglichen Gebrauch in kursiver Schrift zusammen. Eine ausführliche Erörterung der Prinzipien, die auch Bezug auf Gichin Funakoshis 20 Grundsätze des Karate Do nimmt, findet sich im nächsten Kapitel weiter unten auf dieser Seite.

Die Prinzipien im Überblick

  1. Unsere Handlungen sind der Maßstab, an dem wir uns messen lassen. Überzeugungen, Vorstellungen und Werte sind wichtig. Sie in die Praxis umzusetzen und zu handeln ist das, was am Ende zählt.
  2. Höflichkeit und Gerechtigkeit sind zentrale Handlungsstandards. Sei höflich und gerecht – immer, egal unter welchen Umständen!
  3. Wir befähigen unsere Mitglieder zu kritischer Selbstreflektion. Hinterfrage dein Denken und Handeln – niemand liegt immer richtig.
  4. Wir folgen dem Prinzip Shin(心) Gi(技) Tai(体). Körper und Geist müssen eine Einheit bilden, was nur durch regelmäßiges Training gelingt.
  5. Wir motivieren dazu, einen strebsamen Geist zu kultivieren. Streng dich an und sei konsequent – immer, selbst wenn du dich ausruhst und regenerierst.
  6. Wir folgen dem Prinzip Bunbu Ryodo (文武両道). Lerne jeden Tag! Bildung ist genauso wichtig, wie sich verteidigen zu können.
  7. Wir vermitteln eine Kampfkunst und ermächtigen zur Selbstverteidigung. Wettbewerbe sind gut. Ohne die Fähigkeit, sich in einer kritischen Situation verteidigen zu können, bleibt dein Karate allerdings nutzlos.
  8. Wir fördern die Achtsamkeit unserer Mitglieder. Höre in dich hinein und lerne dich und andere zu verstehen.
  9. Wir fördern kritisches Denken und das Hinterfragen von Dogmen. Stelle Glaubenssätze (höflich) in Frage – kein Dogma ist immer richtig.
  10. Wir vermitteln Anpassungsfähigkeit und Geschmeidigkeit. Passe dich den Umständen und besonders deinem Gegner an.
  11. Wir setzen auf Vielfalt und integrieren Gegensätze. Begrüße neues und andere mit aufmerksame Neugier.
  12. Karate ist für uns ein Teil der Gesellschaft. Das Dojo ist kein Kloster, in das du dich zurückziehen kannst, sondern der Ort, der dich auf die wirkliche Welt vorbereitet und dich bei einem gelingenden Leben unterstützt.
  13. Wir vermitteln ein realistisches Bild der Welt. Nehme die Welt unvoreingenommen und sachlich wahr, wie sie ist.
  14. Wir stehen für Gleichheit ein. Behandle alle Menschen gleich höflich und gerecht – immer.
  15. Wir stellen die charakterliche Entwicklung unserer Mitglieder ins Zentrum unseres Dojos. Entwickle dich zu einem höflichen, strebsamen, kämpferischen, positiven, offenen und gerechten Menschen, der sich für andere einsetzt und über sich selbst hinauswächst.

Die 15 ethischen Prinzipien des Dojo Taisei im Detail

Auch wenn die einzelnen Prinzipien in ihrer Formulierung oft intuitiv Sinn ergeben, stehen hinter ihnen allerdings komplexe und voraussetzungsreiche Prämissen über die Zusammenhänge und Funktionsweisen der Welt und des menschlichen Zusammenlebens. Wie bereits erwähnt, leiten wir fast alle Prinzipien aus Gichin Funakoshis 20 Grundsätzen des Karate Do ab, die er zu Beginn der 1920er Jahre als ethische Standards für Karateka formuliert hat.

Welche Prämissen stehen also hinter unseren ethischen Prinzipien? Wie funktioniert unserem Verständnis nach die Welt? Warum folgen wir den Prinzipien? Wie beziehen sie sich aufeinander? Und was bedeuten sie für die Praxis? Diese Fragen beantworten wir in diesem Abschnitt im Detail im Detail und beziehen uns dabei jeweils auf die von Gichin Funakoshi formulierten Grundsätze.

Unsere Handlungen sind der Maßstab, an dem wir uns messen lassen.

„Karate“ bedeutet: „leere Hand“. Es soll Menschen dazu in die Lage versetzen, sich waffenlos zu verteidigen. Karate zielt demnach auf praktisches und wirkungsvolles Handeln, das einen gewünschten Zustand herbeiführen soll. Karateka dürfen sich deshalb nicht als passive Zuschauer der Realität verstehen. Für sie ist praktisches Handeln ein ethisches Prinzip. Stattdessen soll ihre Ausbildung sie dazu befähig, unsere Gesellschaft und Gemeinschaft mitzugestalten und zum bessern zu beeinflussen.

Gichin Funakoshi formulierten diesen Anspruch in zwei Grundsätzen:

  • Im 10.: „Wende Karate auf alles an. Darin liegt seine Schönheit.“ Japanisch: 一、凡ゆるものを空手化せよ其処に妙味あり (Hitotsu, arai-yuru mono wo karate-ka seyo, soko ni myo-mi ari)
  • Im 20.: „Denke darüber nach, wie Du die Grundsätze im täglichen Leben anwenden kannst.“ Japanisch: 一、常に思念工夫せよ (Hitotsu, tsune ni shinen kufu seyo)

Der Begriff „Karate“, den Gichin Funakoshi hier verwendet, geht über die reine Kunst der körperlichen Selbstverteidigung hinaus. Er versteht Karate in diesem Zusammenhang als die Gesamtheit aller ethischen und körperlichen Grundsätze, die es seiner Analyse nach umfasst. Für Gichin Funakoshi galt Karate demnach als ein Lebensstilparadigma, das sich in allen alltäglichen Handlungen und Denkweisen einbringen lässt. Deutlich wird in den beiden Grundsatz dabei, dass Karate eine handlungsorientierte Kunst ist. Im Gegensatz zur Religion, bei der der bloße Glaube ausreicht, um sich z.B. „zu befreien“, setzt Gichin Funakoshi auf tatsächliches und an ethischen Standards – dem Niju kun – orientiertes Handeln in der Praxis.

Das setzt auch voraus, dass der Karateka dazu in der Lage ist, abstrakt über diese Grundsätze zu reflektieren, um dann planvoll und zielgerichtet zu handeln. Laut Funakoshi sollen Karateka darüber nachdenken, wie sich die Grundsätze in der Praxis umsetzen lassen. Nicht das sklavische Übersetzen der Grundsätze im Sinne von Dogmen hat der Gründer des modernen Karate demnach gefordert, sondern die Reflektion darüber, wie diese Anwendung gelingen kann und was Karate in der Praxis bedeutet. Auf das Denken müsse dann aber die Handlung folgen.

Höflichkeit und Gerechtigkeit sind zentrale Handlungsstandards.

Als zentrale Standards für das Handeln von Karateka hat Gichin Funakoshi Höflichkeit und Gerechtigkeit vorgesehen. So legte er im 1. Grundsatz fest: „Karate beginnt und endet mit Höflichkeit.“ Japanisch: 一、空手道は礼に始まり礼に終る事を忘るな (Hitotsu, Karate-do wa rei ni hajimari, rei ni owaru koto wo wasuruna). Hier kommt die soziale Dimension von Karate zum Ausdruck. Karateka sind sich bewusst, dass sich ein friedvolles Leben nur durch den Respekt und höflichen Umgang miteinander realisieren lässt. Toxische Verhaltensweisen, die andere Menschen verletzen und herabwürdigen, sind in jedem Fall zu unterlassen. Sie erzeugen nur weitere Verkettungen von immer neuen Schädigungen und negativen Gefühlen, die dann wieder zu gewalttätigen Handlungen führen.

Hieraus leitet sich allerdings nicht ab, dass Karateka jegliche Handlungen höflich erdulden müssen. Während Gichin Funakoshi im 2. Grundsatz festlegt, dass Karate ausschließlich dem Ziel der Selbstverteidigung dient („Im Karate gibt es keinen ersten Angriff.“ Japanisch 一、空手に先手なし (Hitotsu, Karate ni sente nashi)), legt er im 3. Grundsatz fest: „Karate unterstützt den Weg der Gerechtigkeit“. Japanisch: 一、空手は義の補け (Hitotsu, Karate wa gi no tasuke).

Karateka sind demnach aufgerufen, Ungerechtigkeiten aktiv und unter der Anwendung von Karate als körperliche und geistige Kampfkunst entgegenzutreten. Anders ausgedrückt: Sie sollen durch aktives Handeln den Zustand der Gerechtigkeit herstellen. Angesprochen ist hiermit einerseits Zivilcourage und andererseits soziales und gesellschaftspolitisches Engagement, zu dem wir unsere Mitglieder motivieren wollen.

Wir befähigen unsere Mitglieder zu kritischer Selbstreflektion.

Um den Herausforderungen des Alltags auf Dauer gewachsen zu sein, müssen Menschen regelmäßig ihre Gewohnheiten, Denkmuster, Gefühle und Verhaltensweisen kritisch hinterfragen. Nur so können sie Entwicklung anstoßen und tradierte und unhinterfragte Routinen aufbrechen. Auf das Verlassen der Komfortzone muss allerdings wieder Stabilität entstehen. Auch hierzu bedarfs es einer Bewusstwerdung darüber, was für einen selbst und andere wichtig und richtig ist.

Für ein gelingendes Leben ist es demnach unerlässlich, immer wieder mit seinem Selbst ins Zwiegespräch zu gehen. Die distanzierte Auseinandersetzung mit dem eigenen Handeln und das Hinterfragen der eigenen Überzeugungen sind damit wichtige Bausteine für ein friedvolles Leben.

Für Gichin Funakoshi galt deshalb der 4. Grundsatz: „Kenne dich selbst, bevor Du andere kennst.“ Japanisch: 一、先づ自己を知れ而して他を知れ (Hitotsu, mazu jiko wo shire, shikoshite tao wo shire). Damit motivieren wir unsere Mitglieder dazu, den Fokus auf die eigene Existenz zu richten und sich kritisch den Fragen zu widmen: Was kann ich tun? Was brauche ich? Was mache ich? Was habe ich?

Wir folgen dem Prinzip Shin(心) Gi(技) Tai(体).

Dieses Prinzip steht für die Einheit von Geist, Technik und Körper. Es gehört zu den zentralen Prinzipien der japanischen Kampfkünste (Budo). Hergestellt wird diese Einheit durch das kontinuierliche Üben von (Karate-)Techniken. Dadurch schulen wir den Körper und den Geist gleichermaßen. Das Üben von Techniken stellt über die Zeit zwischen beiden eine psychosomatische Brücke her, die einerseits innere und äußere Balance erzeugt. Andererseits versetzen wir uns dazu in die Lage, durch das regelmäßige Üben unsere inneren und äußeren Zustände zielgerichtet zubeeinflussen. Damit erhalten wir über uns Kontrolle, werden selbstbestimmt und können unsere körperliche und mentale Energie gewinnbringend einsetzen.

Einmal etabliert muss Shin Gi Tai durch ständiges Lernen und Üben aufrechterhalten werden. Gichin Funakoshi brachte diese Daueraufgabe der Karateka im 11. Grundsatz zum Ausdruck: „Karate ist wie kochendes Wasser. Ohne Zufuhr von Hitze kühlt es ab.“ Japanisch: 一、空手は湯の如し絶えず熱度を与えざれば元の水に還る (Hitotsu, Karate wa yu no goto shi taezu natsudo wo ataezareba moto no mizu ni kaeru).

Wir motivieren dazu, einen strebsamen Geist zu kultivieren.

Sich selbst kontinuierlich zu verbessern und eine Verbesserung des eigenen Lebens zu erreichen, geht nicht ohne zusätzliche Anstrengung. Selbst die raffiniertesten Methoden, Techniken und Theorien stellen sich in ihrer Umsetzung oft als mühselig heraus. Komfortzonen müssen verlassen, Hürden überklommen, innere und äußere Widerstände aufgelöst sowie mentale und soziale Gräben zugeschüttet werden.

Gichin Funakoshi wusste um die Anstrengungen, die es kostet, ein gelingendes und friedvolles Leben zu führen. Deshalb formulierte er im 5. Grundsatz: „Erst der Kampfgeist, dann die Technik.“ Japanisch: 一、技術より心術 (Hitotsu, gijutsu yori shinjutsu). Hiermit brachte er zum Ausdruck, dass ein strebsamer Geist die notwendige Vorraussetzung für das Gelingen des Karate als Kampfkunst und Lebensweg ist.

Verallgemeinert bedeutet das: Nur wer sich tagtäglich strebsam bemüht, das Richtige zu tun, zu denken und zu erschaffen, wird Erfolg haben. Der strebsame Geist stellt sich der Herausforderung und (er-)trägt die Lasten, die mit der Erreichung seiner Ziele verbunden sind.

Wir unterstützen unsere Mitglieder darin, diesen strebsamen Geist zu entwickeln und dadurch neue Möglichkeiten in ihrem und im Leben von anderen zu eröffnen.

Wir folgen dem Prinzip Bunbu Ryodo (文武両道).

Bunbu Ryodo ist ein zentrales Prinzip der Samurai und tief im japanischen Bildungsphilosophie verankert. Bildung, so die Überzeugung, hat den gleichen Stellenwert für einen Kämpfer wie seine Fähigkeiten in der Kampfkunst. Es zielt damit auf Gleichwertigkeit von „Feder und Schwert.“ Samurai waren damit angehalten, sich ebenso mit Kunst, Literatur und Wissenschaft zu beschäftigen wie mit dem Schwertkamp. Dem Prinzip lag die Überzeugung zu Grunde, dass nur ein gebildeter Geist seine kämpferischen Fähigkeiten gerecht und sinnvoll einsetzen kann. Auch ist Bildung wichtig, um nachhaltige Entscheidungen treffen zu können. Für Samurai, die in den Verwaltungsdienst aufsteigen wollten, war eine schulische und akademische Bildung eine Grundvoraussetzung. Für japanischen Schüler hat der Sport deshalb die gleiche Bedeutung wie alle anderen Unterrichtsfächer.

Bildung und Lernen als Säulen unseres Karates finden sich auch in Gichin Funakoshis Grundsätzen. So sieht der 9. Grundsatz vor: „Im Karate hören wir nie auf zu lernen.“ Japanisch: 一、空手の修業は一生である (Hitotsu, Karate no shugyo wa issho de aru). Unterstützt wird dieses Prinzip durch Gichin Funakoshis eigenen Lebensweg. Meister Funakoshi war ausgebildeter Volksschullehrer, der eine umfangreiche klassische Ausbildung in chinesischer Philosophie genoss. Auf den Europäischen Kontext übertragen, bedeutet das: Gichin Funakoshi ware sowohl altsprachlich (Latein und Grichisch) gebildet und hätte eine Ausbildung in antiker Philosophie (Sokrates, Platon, Aristoteles etc.) durchlaufen. Folglich war Gichin Funakoshi ein Intellektueller.

Für uns hat die lebenslage Bildung- und Ausbildung deshalb einen sehr hohen Stellenwert.

Wir vermitteln eine Kampfkunst und ermächtigen zur Selbstverteidigung.

Wir sind streng dem Prinzip verpflichtet, dass es sich bei Karate um eine defensive Kampfkunst handelt. Sollten unsere Mitglieder in eine Situation geraten, die die Selbstverteidigung oder die Anwendung dieser Kampfkunst zu ihrem eigenen und zum Schutze Dritter notwendig macht (Notwehr und Gebot der Hilfeleistung), dann sind sie ausgebildet, die notwendigen Maßnahmen einzuleiten und Schutzstrategien umzusetzen. Unser Karate ist demnach eine Kampfkunst, die ausschließlich in Situationen der Notwehr eingesetzt werden darf. Sie dient dazu, durch zielgerichteten und effizienten Einsatz von körperlichen Techniken, körperliche Verletzung von sich und anderen abzuwenden.

Der Einsatz der Kampfkunst richtet sich dabei an den höchsten ethischen und rechtlichen Prinzipien der Notwehr und Hilfeleistung aus.

Diese Überzeugung leitet sich dabei aus dem 15. Grundsatz des Karate ab: „Verstehe deine Hände und Füße als Schwerter.“ Japanisch: 一、人の手足を剣と思へ (Hitotsu, hito no te ashi wo ken to omoe). Gichin Funakoshi wählte den Vergleich der eigenen Gliedmaßen mit einem Schwert grundlos. So zog ein Samurai sein Schwert erst dann, wenn ein physische Auseinandersetzung unvermeidbar war. Der Einsatz von Karate-Techniken ist damit eine ultima ratio, das letzte Mittel in einer Notwehrsituation, wenn alle Deeskalationsmaßnahmen aufgebraucht sind.

Wir fördern die Achtsamkeit unserer Mitglieder.

Der achtsame, d.h. aufmerksame Umgang mit sich selbst und anderen, ist wesentlich für die Ausbildung von Karateka. Das Üben von Karate-Techniken kann nur erfolgreich gelingen, wenn die Karateka ihr Bewusstsein auf ihr Handeln, ihre Haltung und ihre Einstellung während des Trainings richten. Hierzu müssen sie in der Situation sein und in sich hinein hören. Dadurch entsteht ein Gefühl für die eigenen inneren und äußeren Zustände, wodurch wiederum Balance und Kraft erzeugt wird.

Gichin Funakoshi brachte diesen Gedanken ex negativo zum Ausdruck. Im 7. Grundsatz formulierte er: „Unfälle entstehen durch Unachtsamkeit.“ Japanisch: 一、禍は懈怠に生ず (Hitotsu, wazawai wa getai ni shozu). Für ihn galt die dauerhafte Achtsamkeit demnach als der Standard und Unachtsamkeit als die Ausnahme.

Wir fördern kritisches Denken und das Hinterfragen von Dogmen.

Karate ist durch Lehrer-Schüler-Verhältnisse geprägt. Lernen im Karate ist aber nicht gleichbedeutend mit Frontalunterricht und striktem Auswendiglernen. Mit zunehmender Erfahrung sollen Schüler dazu in die Lage versetzt werden, sich von den Lerninhalten auch kritisch zu distanzieren, um dadurch zu neuen Einsichten zu gelangen. Gichin Funakoshi brachte dies im 6.Grundsatz zum Ausdruck: „Sei bereit, deinen Geist zu befreien.“ Japanisch: 一、心は放たん事を要す (Hitotsu, kokoro wa hanatan koto wo yosu).

Der freie Geist ist allerdings nicht frei von Wissen. Stattdessen zeichnet er sich durch die Freiheit von Dogmen aus. Statt zu verabsolutieren, hinterfragt und relativiert der frei denkende Karateka. Ein freier Geist erkennt an, dass Situationen nur selten eindeutig sind. Viel öfter sind sie unscharf und unklar. Nicht Schwarz und Weiß, sondern Grautöne dominieren die Realität.

Ein durch Dogmen gefesselter Geist bleibt allerdings hinter dieser Einsicht zurück. Er wird bei dem Versuch scheitern, die Welt und die Realität in das Korsett seiner Überzeugungen zu zwingen. Der Erfolg liegt stattdessen darin, sich unvoreingenommen mit den Situationen zu befassen und kritisch zu hinterfragen, was nötig und richtig ist, um sie zu lösen.

Wir vermitteln Anpassungsfähigkeit und Geschmeidigkeit.

Im 13. Grundsatz fordert Gichin Funakoshi dazu auf: „Passe dich deinem Gegner an.“ Japanisch: 一、敵に因って轉化せよ (Hitotsu, tekki ni yotte tenka seyo). Hiermit betont er die Notwendigkeit, die Gegebenheiten einer Situation zu erkennen und nicht dogmatisch zu handeln. Jeder Gegner individuelle Eigenschaften und weicht vom bisher erlebten ab. Allgemeingültige Erfolgsrezepte gibt es nicht. Nur wer aus dem kritischen Hinterfragen auch eine praktische Anpassungsfähigkeit für sich ableitet, kann auf Dauer erfolgreich sein.

Diese Überlegungen unterstrich Gichin Funakoshi im 17. Grundsatz: „Starre Positionen sind für Anfänger. Mit wachsender Erfahrung bewegt man sich natürlich.“ Japanisch: 一、構は初心者に後は自然体 (Hitotsu, kamae wa shoshinsha ni ato wa shizentai). Dies gilt sowohl für körperliche als auch geistige Positionen. Wer im beiden starr bleibt, kann sich bietende Chancen nicht ergreifen.

Wir setzen auf Vielfalt und integrieren Gegensätze.

Das Konzept der Integration von widerstreitenden Gegensätzen wie etwa Yin und Yang, die dann erst ein Ganzes bilden, ist in Asien weitverbreitet. Wir vermitteln dies ebenso in unserem Dojo. Denn was zunächst oft als unvereinbare Gegenpole erscheint, erzeugt bei ihrer geschickten Integration und Kombination neue Möglichkeiten und Fähigkeiten auf einer übergeordneten Ebene – es wird zu mehr als die Summe seiner Teile.

So argumentiert Gichin Funakoshi im 14. Grundsatz: “Der Ausgang eines Kampfes hängt davon ab, wie Du mit Stärke und Schwäche umgehst.“ Japanisch: 一、戦は虚実の操縦如何に在り (Hitotsu, tattakai wa kyo-jitsu no soju ikan ni ari). Daraus lässt sich einerseits schließen, dass das eigene Handlungsspektrum vielfältig sein sollte, denn die Realität ist es auch. Auf unser Dojo übertragen, bedeutet das: Wir wollen ebenfalls vielfältig sein und möglichst viele Fasetten des Lebens in unseren Mitgliedern abbilden.

Karate ist für uns ein Teil der Gesellschaft.

Nicht selten erwarten Karateka von ihrem Dojo, dass es ein Refugium jenseits der eigentlichen Gesellschaft bildet. Mitunter motiviert durch einen Faible für Samurai- und Martial-Arts-Romantik möchten sie der als schlecht empfundenen Alltagswelt entfliehen (Weltflucht). Diesen Zufluchtsort bietet unser Dojo allerdings nicht. Für uns kann Karate nicht jenseits der Gesellschaft existieren. Es ist aktiver Teil der Gesellschaft, in der sich Karateka befinden. Hier muss sich unser Karate beweisen. Vielmehr noch: Das Karate vermittelt alle Fähigkeiten für ein gelingendes Leben in der Gesellschaft.

Für Gichin Funakoshi war die Einsicht unhintergehbar, dass es kein Karate jenseits der Gesellschaft gibt. Deshalb formulierte er im 8. Grundsatz: „Karate-Training findet auch außerhalb des Dojos statt.“ 一、道場のみの空手と思ふな (Hitotsu, Dojo nomino karate to omou na). Karateka sind dadurch angehalten, sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen und ihr Karate – als Ethik und Lebensstil – hier einzubringen und zu erproben. Ob das eigene Karate funktioniert und ob das Training die richtigen Fähigkeiten vermittelt, zeigt sich nur in der Praxis. Diese Praxis ist aber nicht das Dojo, sondern die Mehrheitsgesellschaft.

Wir vermitteln ein realistisches Bild der Welt.

Uns ist einerseits bewusst, dass das Leben aus Grautönen besteht. Andererseits kennen wir die Herausforderungen des Alltags in Wirtschaft, Politik, Kultur, Familie und Vereinen sehr genau. Unser Karate ist nicht naiv. Wir richten uns deshalb strikt nach dem 18. Grundsatz von Gichin Funakosh: „Kata muss mit Perfektion geübt werden. Reale Kämpfe sind allerdings etwas anderes.“ Japanisch: 一、形は正しく実戦は別物 (Hitotsu, Kata wa tadashiku jissen wa betsu mono). Das bedeutet, dass sich der Anspruch an uns selbst und unser Karate an den Möglichkeiten der Realität ausrichten muss. Was sich im Dojo oft einfach umsetzen lässt, kann sich im Alltagsleben als schwierig oder unbrauchbar erweisen.

Dieser Anspruch kommt auch in der Einsicht zum Ausdruck, die Gichin Funakoshi im 16. Grundsatz formuliert hat: „Trittst Du aus deiner Tür, begegnen Dir eine Million Feinde.“ 一、男子門を出づれば百万の敵あり (Hitotsu, danshi mon wo izureba hyakuman no tekki ari) Zwar erweckt dieser Grundsatz den Eindruck, als hätte Gichin Funakoshi ein eher negatives Menschenbild, doch das Gegenteil war der Fall. Stattdessen bringt er hiermit zum Ausdruck, dass trotz des Strebens nach Höflichkeit, Gerechtigkeit und Gewaltfreiheit nicht automatisch erwartet werden kann, dass diese Grundsätze erwiedert werden.

Karateka müssen dies wissen und sollten nicht naiv sein. Sie dürfen sich nicht entmutigen lassen oder zynisch werden. Denn positive Veränderungen sind möglich und zeigen sich oft unerwartet. Das Streben nach vorbildlichen Verhalten und einem friedvollem Leben darf sich von Rückschlägen nicht erschüttern lassen.

Wir stehen für Gleichheit ein.

Ein wesentliches Grundprinzip, das wir vermitteln, ohne dass es sich in den 20. Grundsätzen des Karate-Do findet, ist das der Gleichheit. Für uns leitet sich dieses Prinzip aus der allgemeinen Organisation des Trainings des Karate ab. Denn alle Karateka tragen weiße „Keiko Gis“ (Trainingsanzüge). Der soziale Status der Mitglieder wird dadurch während des Trainings eingeebnet – alle sind gleich, unabhängig ihrer Herkunft, ihres Geschlechts, ihrer Religion oder ihrer Bildung.

Einzige Unterscheidungsmerkmale sind die Gürtelfarben, die den Leistungsstand der Karateka widerspiegeln. Diese werden durch das ablegen von Prüfungen vergeben. Das soziale Ordnungsprinzip während des Trainings basiert damit auf der Meritokratie, sprich: dem Leistungsprinzip. Autorität erhält während des Trainings die Personen, die in der Vergangenheit die größte Lernleistung im Karate erbracht hat und sich charakterlich für die Position des Lehrers eignet. Diese Personen leitet dann das Training.

Außerhalb des Training organisieren sich die Mitglieder unabhängig von der Gürtelfarbe.

Wir stellen die charakterliche Entwicklung unserer Mitglieder ins Zentrum unseres Dojos.

Wie sich aus den hier aufgezählten Grundsätzen erkennen lässt, hat die charakterliche Entwicklung und Reifung unserer Mitglieder für unser Dojo einen besonderen Stellenwert. Für uns ist dieser Aspekt wichtiger als sportliche oder physische Leistung. Innerhalb der Dojo-Gemeinschaft erfahren Karateka Anerkennung, die sich durch besondere charakterliche Reife auszeichnen und für ein friedvolles Leben einsetzen. Verantwortung für die Gemeinschaft wird deshalb nur jenen Karateka übertragen, die aufgrund ihrer charakterlichen Reife und ihren Fähigkeiten als geeignet hierfür angesehen werden können. Sie müssen sich als Vorbilder auszeichnen und sich für die Ziel des Dojo Taisei, nämlich der Realisierung eines friedvollen Lebens, einsetzen. Als Bewertungsmaßstab legen wir unsere 15 Prinzipien zugrunde.

 

Oss!